Achtsamkeit auf Instagram. – Sinnvoll oder ein Widerspruch?

Ich habe es getan… Mir ein Profil auf Instagram zugelegt! Yai… Oder wohl doch eher: Ohje?!

Dieses ganze Instagram-Ding habe ich bislang eher kritisch gesehen. Unmengen an Menschen, die sich mit vollem Körpereinsatz in unnatürlich ausschauende Posen werfen, ihr Essen drappieren und von diversen Winkeln ablichten, um das perfekte #picoftheday hochzuladen. Vorher wird dies noch mit einem schicken Filter überzogen, et voilà! Die Likes können kommen!

Also wieso tummele ich mich nun mit meiner achtsamen Mission auf dieser Monster-Ego-Plattform namens Instagram herum?

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Nunja… Da gibt es verschiedene Aspekte einer Antwort, die ich im Folgenden darstellen möchte:

1. Es ist schwer zuzugeben, aber im Herzen bin ich eine Selbstdarstellerin. Als versuchsweise achtsames Wesen ist diese Erkenntnis eine bittere Pille. Jedoch bringt es nichts, drum herum zu schwafeln: ich mag es zu einer gewissen Dosis positive Aufmerksamkeit zu erhalten. Sei es als Kind auf der Bühne von Musical-Produktionen, als Teenie bei HipHop-Tanz-Performances, als Studentin bei Fotoshootings oder jetzt als berufstätige Psychologin auf diversen Blogging-Plattformen. Soll heißen: Irgendwo scheine ich bewusst oder unbewusst immer wieder der Interaktion und der Aufmerksamkeit meiner Umwelt entgegen zu streben. Psychologen nennen dieses Phänomen Extraversion als Gegenstück zur Introversion. Als Teenie und in meinen anfänglichen 20ern versuchte ich mir dieses Streben nach Aufmerksamkeit auszureden – zu groß die Gefahr auf Ablehnung zu treffen, mit der ich lange Zeit so meine Probleme hatte. Aber wenn ich mal einen achtsamen Blick auf mein Leben und mein Wesen werfe, ist es so, dass ich Aufmerksamkeit durch andere ab und zu ganz gut leiden kann. Mir ist bewusst, wie hochtrabend das klingen mag… Aber wieso um den heißen Brei reden?

2. Achtsamkeit zu verbreiten ist mein Anliegen! Im zweiten Aspekt meiner Beweggründe für Instagram ist es so, dass ich von Herzen gerne auch Psychologin und Psychotherapeutin bin. Ich liebe den Part meines Jobs, an dem ich dem ein oder anderen Menschen dabei helfen kann, ihr Leben an gewissen Stellen zu optimieren. Der Mensch geht den Weg, ich als Therapeutin gebe Input, der dem Menschen helfen kann, neue Entscheidungen zu treffen, mit denen er oder sie glücklicher und zufriedener sein kann.

Ich mag meinen Job als Psychotherapeutin sogar so sehr, dass ich die Arbeit an Selbstentwicklung und Identitätsfindung nicht nur bei meinen Patienten vorantreibe, sondern von vielen Erkenntnissen über Psychologie und Psychotherapie selbst auch profitiere. Gerade die Achtsamkeit als Königsweg zu einem ausgeglichenen Leben sticht für mich seit mehreren Jahren heraus. Es hat mein Leben tiefgreifend verändert, und auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu sind mehr als vielversprechend. Und es macht mir wahnsinnig viel Spaß darüber nachzudenken, zu sprechen und zu schreiben.

3. Achtsamkeit an den jungen Menschen zu bringen ist keine leichte Kiste! Nun habe ich bislang dargelegt, weshalb ich mich entschlossen habe über Achtsamkeit zu bloggen. Weshalb ich mich inzwischen auch auf das Portal „Instagram“ eingelassen habe, welches ja relativ non-verbal und daher nicht prädestiniert für tiefgreifende Diskussionen ist, habe ich damit noch nicht ganz hinreichend erklärt. Daher möchte ich an dieser Stelle ein gewisses Problem erläutern, das ich beim Bloggen über Achtsamkeit über die letzten zwei Jahre hinweg beobachtet habe:

Achtsamkeit ist nicht so leicht an den jungen Menschen zu bringen, wie ich anfangs angenommen hatte!

Wieso das so ist, darüber kann ich letztlich nur spekulieren: zu abstrakt, zu esoterisch, zu „selbsthilfe-mäßig“, zu verkopft, zu wenig visuell, zu unästhetisch? Ich habe keine Ahnung..

Was ich jedoch weiß ist, dass es ein Thema ist, das uns junge Menschen zu Zeiten von Burn-Out und den nagenden Fragen über Work-Life-Balance mehr denn je angeht. Jedoch scheint in der wenigen Freizeit, die wir alle so haben, Achtsamkeit etwas zu sein, bei dem wir jungen Menschen irgendwie nicht so recht „hängen bleiben“.

Ich selbst erwische mich dabei, dass ich mir an einem freien Sonntag lieber einen Reise-Vlog oder ein Make-Up-Tutorial anschaue, als noch ein Buch über Achtsamkeits-Methoden zu wälzen. Ich persönlich finde die bisherigen Herangehensweisen an das Thema oftmals als etwas zu trocken, zu esoterisch, einfach als „nicht anschaulich“ genug, und kompatibel meinem Leben gegenüber, um es mir in meiner wenigen Freizeit regelmäßig reinzuziehen.

Meine bisherigen Recherchen ergeben, dass Achtsamkeit bislang immer wieder auf recht ähnliche Art vermittelt wird: mal hier, mal da ein Artikel dazu. YouTube-Tutorials mit Achtsamkeits-Übungen, die irgendwie aus dem Kontext gerissen stehen. Meistens findet man dann noch bunte Mandalas, kleine Buddhafiguren und hochtrabende Begriffe, sodass ein Phänomen, das gerade für uns junge Menschen zunehmend wichtiger werden sollte, als etwas erscheint, das zu unserem Lifestyle nicht so recht passen möchte. Und diese skurrile Diskrepanz versuche ich gerade näher zu verstehen, um sie irgendwo aufzugreifen.

Ein erster Schritt besteht für mich darin, diese beschriebene Diskrepanz in diesem Post zu thematisieren, weil sie mir erst jetzt so richtig bewusst wird.

In Zeiten, in denen jeder Mensch, der nur mag, sich selbst online vermarkten kann, sollte es ja eigentlich ein Leichtes sein, Trends voranzutreiben. Jedoch geht man gerade wegen dieser Übersättigung der sozialen Netzwerke umso schneller unter, wenn man nicht eng genug am Puls der Zeit arbeitet.

Somit entschließe ich mich zunehmend dafür, herauszufinden wie man so am Puls der Zeit arbeiten kann, um bei den aktuellen Trends mitzureden. Um Dinge zu besprechen, über die sich viel zu oft ausgeschwiegen wird: über Gefühle, über Gedanken, über Identitätsfindung, über Achtsamkeit.

Und ich bin dankbar um jeden Input, der mir Aufschluss darüber geben kann, welche Medien und Wege für uns junge Leute interessant sein können. Vielleicht habt ihr ja Ideen? Wenn ja, hinterlasst mir einen Kommentar, und lasst mich wissen, über welches Medium ihr gerne Informationen bezieht!

Die Möglichkeiten sind vielseitig in Zeiten von Instagram, YouTube und Podcasts. Ich bin noch unentschlossen. Habe erst kürzlich beschlossen, der Selbstdarstellerin in mir mehr Raum zu geben, um als Werkzeug zu arbeiten, die Diskussion über Achtsamkeit voranzutreiben und breiter zu streuen.

Inspiriert wurde ich bei diesen Gedanken vor allem von der YouTuberin Shameless Maya, die sich in einer Art „Social-Media-Experiment“ ein Jahr lang selbst promotet hat, um als Fotografin und Schauspielerin, die bis dato kaum Aufträge erhalten hatte, an mehr Jobs zu kommen. Mit Beständigkeit, Mut und der Einstellung „shamelessly“ dem zuzuarbeiten, was sie vom Leben wollte, hat sie es geschafft mithilfe von den sozialen Netzwerken ihre Ziele noch und nöcher zu erreichen = mehr Aufträge zu erhalten.

Aber um zu mir und meinen achtsamen Zielen zurückzukommen: Ich bin nun den Schritt gegangen, mich bei Instagram anzumelden – als einen weiteren Weg mich über mein „Herzens-Thema“ mit jungen Menschen zu vernetzen, als einen Weg, die Selbstdarstellerin in mir zu reaktivieren, die mein momentaner Hoffnungsträger dafür ist, die Diskussion über Achtsamkeit noch größer werden zu lassen.

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Also besucht mich dort 😉

Bis bald,

Amy!

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Können wir Millennials wirklich achtsam sein?

Seit geraumer Zeit arbeitet mein Kopf. Welch eine unachtsame Feststellung! Will man doch eher „kopflos“ und völlig gegenwärtig sein, wenn man einen achtsamen Lifestyle führen möchte.

Aber das ist wohl mein ewig andauerndes Lied an der Klagemauer: ich möchte achtsamer sein (sprich, mehr den gegenwärtigen Moment würdigen), dafür weniger in meinem Kopf leben. Doch bereits seit wenigen Jahren ist mir klar, dass das gar nicht so einfach ist!

 

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Sogar eine weite Reise habe ich auf mich genommen, auf einen Berg im Norden Thailands, um dem Trubel des Alltags zu entfliehen, und eine Woche lang in Stille und Achtsamkeit zu leben. Mein Verstand hat mich eines Besseren belehrt: die Maschinerie des Verstandes auszuknipsen und im Hier und Jetzt aufzugehen ist keine so leichte Kiste – selbst dort nicht, wo Achtsamkeit die oberste Priorität besitzt.

Doch für mich ist es ein unumstößliches Ziel! Achtsamer zu sein…

Bei meinem momentanen Lifestyle, der sicherlich relativ repräsentativ für den eines mehr oder minder typischen Millennials ist, wirkt die Vorstellung eines Lebens in völliger Achtsamkeit nahezu utopisch: Zwei Jobs, eine Beziehung, Freundschaften, die man pflegen möchte, Haushalt, anstehende Weihnachtstage und so weiter und so fort. Wie um Himmelswillen kann man da nur achtsam sein?

Soll ich still in auf meinem Meditationsbänkchen sitzen, Däumchen drehen und schauen, dass mir Patienten, Jobs und Freunde davon laufen, weil ich in Stille im Hier und Jetzt aufgehe?

Und wäre mir das ohnehin nicht viel zu langweilig und Verschwendung von kostbarer Lebenszeit, die man ausgiebig genießen könnte, anstatt „nur achtsam“ zu sein?

Das ist eine reale Frage, die ich mir häufig stelle.

Zuletzt hatte ich das Empfinden, mich zunehmend vom Weg der Achtsamkeit zu entfernen, was ich daran erkannte, dass ich mich häufiger gestresst und unausgeglichen fühlte.

Eine achtsame Lösung musste her: eines morgens in der letzten Woche griff ich zu einem gelb-orangenen Buch mit dem Titel „Jetzt – Die Kraft der Gegenwart“ mit einem milde lächelnden Mann mittleren Alters, namens Eckhart Tolle, auf der Rückseite aufgedruckt. Dieses lag ein ganzes Jahr lang, inzwischen leicht eingestaubt, in meinem Bücher-Regal herum. Ich nehme an, dass die mir unangenehm aufstoßende esoterische Aura von Buchcover, Titel und dem Bildchen des Autors dazu führten, dass ich es ganze 12 Monate ignorierte. Denn Esoterik löst in mir tiefsitzende Widerstände aus, auf die ich gerade nicht näher eingehen mag.

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Nun fühlte ich mich tatsächlich gestresst und unausgeglichen genug, um dieses Buch entgegen dieser diffusen inneren Widerstände in meine Handtasche zu schmeißen und in der Bahn auf meinem morgendlichen Weg zur Arbeit zu lesen zu beginnen.

Und bereits nach den ersten Seiten kam in mir eine ziemlich eindeutige Erkenntnis auf: du solltest achtsamer sein!

War mir eigentlich klar, jedoch scheinbar nicht bewusst genug. Eckhart Tolle hat mich daran erinnert! War ich wirklich so verbohrt, dass es die bloße Aura eines Buches war, die mich davon abhalten konnte, es zu lesen? Nun gut, zum Glück hatte ich mich eines Besseren belehren lassen! Eckhart Tolle erinnerte mich daran, dass ich wesentlich achtsamer sein möchte.

Dennoch ist die ganze Kiste mit der Achtsamkeit im Alltag gar nicht mal so einfach, wie sie klingen mag.

Denn unsere Probleme wirken auf uns irgendwo real, was kann Achtsamkeit da schon ausrichten?

Zunächst hilft vielleicht folgende Betrachtungsweise: nämlich dass Dramen, Stress und Überforderungen im Alltag maßgeblich mit unserer subjektiven Wahrnehmung und jeweiligen Bewertungen zusammenhängen. Oft sind es ganz unbewusste ablehnende Bewertungen unseres Verstandes auf Auslöser, die sich in unangenehmen Gefühlen niederschlagen. Wir fühlen uns mies, von der Welt schlecht behandelt, und nehmen Abstand davon anzunehmen, dass eine gegenwärtige Haltung uns bei dem jeweiligen Problem helfen könnte. Doch wenn wir in solchen Momenten mal unseren Kopf ausschalten, nach draußen blicken, unseren Atem beobachten, und uns voll und ganz dem Hier und Jetzt widmen würden, dann würden wir sehen, dass im jetzigen Moment so einiges in Ordnung ist. Der Chef hat dir wohlmöglich zu viele Aufträge gegeben, oder Person XY hat dich in harschem Ton angepampt. Doch im Hier und Jetzt ist diese Episode bereits vorüber. Wieso jetzt noch darüber lamentieren?

Ich persönlich sehe es so: wenn ich zu 100% achtsam bin, geht es mir für den Moment tatsächlich besser. Schließlich ist es in den seltensten Fällen so, dass der Chef auf deinem Nach-Hause-Weg noch neben dir sitzt, oder deine zickige Freundin dir über Stunden und Tage hinweg non-stop schnippige Kommentare entgegen schmeißt. Es sind meist vereinzelte Episoden, die uns stressen, die letztlich punktuell passieren. Und wären wir voll und ganz im Hier und Jetzt – quasi ständig – hätten wir eher selten wirklichen Anlass zur Klage.

Doch ganz so einfach funktioniert unser aktuelles Leben in Zusammenspiel mit der Achtsamkeit auch nicht…

Wie lange hätte ich wohl meinen Job, wenn zur Entlassung meiner Patienten keine Entlasspapiere vorliegen, weil ich lieber eine Runde meditiert habe, als mich unachtsamerweise in die Vergangenheit zu begeben, in der ich mental den Verlauf der Behandlung meines Patienten Revue passieren lasse? Was würde die Finanzbehörde dazu sagen, wenn man denen anstelle einer Steuererklärung einen Einzeiler zukommen ließe, in dem man erklärt, dass das Hier und Jetzt zählt, und die finanziellen Einnahmen des letzten Jahres ja inzwischen Schnee von gestern sind? Wie harmonisch wären Freundschaften, wenn man auf Unstimmigkeiten keine überlegte Reaktion zeigen würde?

Und mal ganz zugespitzt: Wie will mein Körper langfristig überleben, wenn ich mir nicht darüber Gedanken mache, wie Essen in meinen Körper kommt, woher das Geld für das Essen kommt, geschweige woher das Geld für das Dach über meinem Kopf kommt, das mich im Winter warm halten soll?

In der Steinzeit liefen solche Dinge noch wesentlich instinktiver und achtsamer ab:

Man hat das getan, was im Hier und Jetzt getan werden musste: gejagt, gesammelt, gebaut, gegessen, geschlafen, sich gepaart und maximal über das Nötigste ausgetauscht. Dann entwickelte sich der Verstand beim Menschen, der die praktische Umsetzung des Überlebens zunehmend vereinfachte. Die Menschen fingen an zu planen, zeitgleich aus vergangenen Fehlern zu lernen. Und irgendwann liefen die Dinge automatischer und vorausschauender. Der Mensch wurde im intellektuellen Sinne intelligenter. Zeitgleich weniger instinktiv, und weniger achtsam. Inzwischen wissen wir nichtmals mehr, dass ein achtsames Leben der Ursprung von allem Leben ist.

Wir haben es schlichtweg vergessen! Und jetzt haben wir eine Gesellschaft, in der Unachtsamkeit der vermeintlich natürliche Ausgangspunkt ist, der von kaum noch jemandem in Frage gestellt wird. Und irgendwo ist es ja auch ok!

Können Tagträume nicht auch schön sein?

Das Schwelgen in Erinnerungen? Im Hätte-Wäre-Wenn? In den schillernden Träumen und Wünschen, die wir uns für die Zukunft ausmalen?

Ja was denn nun? Möchte ich achtsamer sein und die „Verstandesebene“ verlassen, und zu steinzeitlichen Verhältnissen meiner Psyche zurückkehren, und meine Existenz in der Gesellschaft gefährden? Oder möchte ich eine junge Frau mit Träumen, Ideen, Plänen und schönen Erinnerungen sein? Muss ich meine Identität, mit der ich doch eigentlich gut klarkomme, aufgeben, um mich ein wenig zu entstressen? Ist es nicht das, was die ganzen Achtsamkeitsgurus suggerieren? „Sei leer. Leg dein Ego ab. Alles, was du denkst, ist dein Verstand – ergo nicht du. Du bist pures gegenwärtiges Bewusstsein“. Ich bin hin und hergerissen. Und denke mir:

Ich will beides!

Ich verzweifele zwar das ein oder andere mal an den Neurosen und Krankheiten unserer Gesellschaft, in denen ein gut ausgeleuchtetes Selfie mit schickem Filter mehr Bedeutung und Popularität beigemessen wird, als den tiefgreifenden Gedanken darüber, wie der Mensch von innen heraus glücklicher sein kann. Unsere Gesellschaft verwirrt mich, manchmal möchte ich aus ihr aussteigen. Doch bei näherem Hinschauen mag mein Verstand das bunte Treiben von uns unachtsamen Wesen zeitweise auch ganz gut leiden.

Möchte ich auf mitreißende Partys mit mir geliebten Menschen verzichten, weil es mein Verstand ist, der bespaßt werden möchte, und den Effekt von einem Glas Wein ganz gut leiden kann? Möchte ich diese Anhaftung meines Verstandes auflösen?

Bis dato sage ich nein! Und noch lauter sage ich nein zur Esoterik, die bislang den Königsweg aus Stress und Anhaftung vorgibt zu bieten.

Ich nehme mir vor mich auf die Höhen und Tiefen, die unsere unachtsame Gesellschaft so bietet, einzulassen.

Die Phänomene, die unsere Gesellschaft betreffen, ernstzunehmen, bedeutet, dass man hier und da Dinge viel zu ernst nehmen kann, die unter achtsamen Blickwinkel total nichtig sind. Das bietet völlig unnötiges Frustrationspotenziel. Das ist auch der Grund, weshalb so viele von uns so unsere Probleme damit haben, kritisiert zu werden. Unser Bild von uns selbst, das letztlich nur in unseren Köpfen besteht – etwas gänzlich Unreales – ist in Gefahr. Und wie oft springen wir Menschen auf Kritik an, und lassen sie über Stunden oder Tage hinweg unser Gefühl vergiften? Unachtsamkeit bietet viele Fallstricke, sich an Problemen aufzuhalten, die non-existent sind.

Und genau das gibt für mich die Lösung für unnötiges Leid vor:

Achtsamkeit! Die Schaffung eines Raumes, bzw. die Rückbesinnung auf einen Raum, in dem all diese gesellschaftlichen Probleme keine Nahrung finden. Und zwar der kleine Raum im Leben, in dem letztlich alles passiert: im Hier und Jetzt. Wenn ich meine Aufmerksamkeit nur stark genug diesem Punkt widme, der sich das tatsächliche Leben nennt, dann kann mir nicht viel passieren. Entweder man kann Einfluss auf das nehmen, was jetzt gerade passiert, oder man muss es hinnehmen. Wenn mir also der Alltag zu viel wird, dann kann ich mich genau darauf berufen.

Für mich ist das keine Alltagsflucht, sondern es ist eine Rückbesinnung: Man steigt quasi, wenn man achtsam ist, aus der Matrix aus, die wir als unser reales Leben wahrnehmen.

Denn genau so kann man unser „gesamtes Leben“ – metaphorisch gesprochen – am Ende betrachten: als eine Art Matrix. Unser gesamtes Leben – Erinnerungen an vergangene Ereignisse – findet letztlich nur in unserem Kopf statt. Im Hier und Jetzt hat all das, was mal war, keinen realen, greifbaren Bestand mehr – nur noch in unseren Köpfen. Nur den jetzigen Moment kann man verändern. Wenn wir vom Leben außerhalb des jetzigen Momentes sprechen, handelt es sich um eine Idee, die in unseren Köpfen existiert. Und das kann schön und faszinierend sein, genauso auch anstrengend und beängstigend. In jedem Fall ist all dies nicht die greifbare Realität, diese gibt es nur im Hier und Jetzt.

Doch ich erlaube mir in „meiner Matrix“ genau das zu tun, worauf ich Lust habe. Mir macht das Denken viel zu viel Spaß, als dass ich zum jetzigen Zeitpunkt allzu ernsthaft darauf hinarbeiten wollen würde, dieses aufzugeben. Außerdem brauche ich Verstand, Erinnerungs- und Planungsvermögen, um in unserer Gesellschaft meine Brötchen zu verdienen, Freundschaften zu pflegen, das optimale Selfie zu erstellen oder um mir die Songlyrics von meinen Lieblingstracks zu merken, um diese mit voller Imbrunst bei der nächsten erinnerungswürdigen Party mitzuträllern. Jedoch möchte ich mir eins vornehmen: meinen Verstand und all seine Inhalte (z.B. Ideen über andere Menschen und das allgemeine Geschehen in unserer Welt) etwas weniger ernst zu nehmen.

Ich erlaube mir, regelmäßig auszusteigen, Abstand zu nehmen. Ein- und auszuatmen.

Zu wissen, dass wir alle irgendwo gleich sind, egal welche Sicht wir haben. Um so etwas friedlicher zu leben.

Weniger „Hätte-Wäre-Wenn“, mehr Fokus, auf das was ist.

Und das ist nichts Neues! Nicht im geringsten erfinde ich hier ein neues Rad. Sondern rede nach dem, was Tolle, Kabat-Zinn, Thich Nhat Hanh, Buddha oder auch Laotsi schon wiederholt in verschiedenen Worten angedeutet haben.

Es ist für meine keine Religion, keine Esotherik, und frei von jeglichem Schnick Schnack zu betrachten.

Für mich ist es eine pragmatische Gewissheit, die mir hilft, in den Wirrungen des Alltags einen klaren Kopf zu bewahren.

Wie man das achtsame Leben als aktiver Akteur der Generation Y so umsetzen kann, versuche ich für mich herauszufinden, und auf diesem Weg – auf meinem Blog – in Schrift und Wort zu reflektieren.

Bis dahin – bleibt mindful! Und schaut bald wieder vorbei!

Amy.

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Wie mich mein Perfektionismus in die Achtsamkeit trieb.

Je älter, erwachsener, lebenserfahrener und vermutlich auch je weiser ich werde, desto mehr wird mir Folgendes bewusst: Ein starkes Streben nach Perfektion kann an einigen Stellen Wunder bewirken und die für uns wichtigen Dinge vorantreiben. An anderen Stellen hingegen kann es vieles verlangsamen, blockieren oder auch vollständig verhindern. Segen und Fluch, wie man so schön sagt…

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Meine persönliche Anekdote zu diesem Thema liegt ungefähr 3-einhalb Jahre zurück, und betrifft den Entstehungsprozess meiner Masterarbeit:

Offensichtlich war ich von der Idee besessen, die perfekte Arbeit zu schreiben. Es war mein Thema, mein Baby. Und es sollte perfekt zu Papier gebracht werden. Das letztendliche Ergebnis: Naja, es war gut. Ziemlich gut sogar! Aber mein Gott… war ich durch mit der Welt!

Extrem durch! Viel zu wenig gegessen, viel zu wenig geschlafen, viel zu viel Koffein! Und das über einige Wochen hinweg… Förmlich festgeklebt auf einem Stuhl an dem Küchentisch meiner Mutter, nicht so recht empfänglich für das, was sich außerhalb dieses Zimmers abspielte. Die Sonne ging auf, die Sonne ging unter. Die Tage und Wochen zogen so vor sich hin. Alles egal, Hauptsache die Arbeit wird bombe!

Aber nun gut, am Ende war die Arbeit recht solide. Aber stand dieses zufriedenstellende Ergebnis in Relation zu den multiplen Meltdowns, die ich an diesem Küchentisch über mich habe ergehen lassen? Nunja… Bereits im Prozess des Schreibens hatte ich eine gewisse Ahnung darüber, dass das, was ich tat, nicht gerade gesund und ergiebig war. Handelte es sich irgendwann schließlich nur noch um die mechanische Bearbeitung von Details, die für eine ausschlaggebende Notengebung doch meistens keine Rolle mehr spielt, an der man sich jedoch problemlos tagelang aufhalten kann.

Doch bevor ich damit beginnen konnte, diesen verstörend stark ausgeprägten Sinn nach Perfektion auf aufrichtige Art zu hinterfragen und aktiv zu bearbeiten, musste ich noch eine Kleinigkeit erledigen: die perfekte Masterarbeit einreichen! Was ich am Ende natürlich nicht tat.

Wieso?

Denn Perfektion zu erreichen ist schlichtweg unmöglich.

Nach dem Druckvorgang der finalen Arbeit überflog ich die ersten Seiten, und da war er: Ein Tippfehler!! Den meine übermüdeten Augen und mein unterversorgtes Gehirn mitsamt sprunghafter und leicht zerfahrener Aufmerksamkeitsspanne offensichtlich zehntausendmal übersehen hatten. Wie um Himmelswillen war das nur möglich??

Drei Monate später kam ich dem zögerlichen Beginn einer Antwort auf die Schliche… Durch eine fehlgeleitete SMS sendete mir ein Freund ein buddhistisches Zitat zu, dessen Inhalt ich mit meinem verwestlichten Verstand natürlich überhaupt nicht schnallte, jedoch aus Neugierde unbedingt verstehen wollte. Ohnehin war ich auf der Suche nach irgendetwas, was mir hätte helfen können, mich ein wenig zu „entstressen“. An dem Tag, als mich diese fehlgeleitete SMS mitsamt buddhistischer Botschaft erreichte, war mein erstes Gespräch über Achtsamkeit geboren – und zwar mit diesem Freund von mir, der versehentlich mir, anstelle eines Freundes von ihm, Buddhas Weisheit hat zukommen lassen.

Ich stellte ihm noch Wochen und Monate darauf immer wieder Verständnis-Fragen zum Thema Achtsamkeit, weil er so ziemlich der einzige Mensch in meinem Umfeld war, der etwas damit am Hut hatte.

Mein Interesse wuchs stetig weiter, sowie auch mein Verständnis dafür, auf welch tiefgreifende Art das Leben sich bei einem selbst verändert, wenn man sich dazu entschließt häufiger mal das Hier und Jetzt zu würdigen, anstatt pausenlos im „hätte, wäre, wenn“- Bereich des eigenen Verstandes umher zu eilen.

Irgendwann stieß ich dann auf Osho – was für eine Offenbarung… Nach meiner Einschätzung muss dieser Mann eine recht verschrobene Person gewesen sein. Hat irgendeine komische Sekte gegründet, in der es scheinbar jeder mit jedem getrieben hat. So munkelt man zumindest. Dennoch hat er in meinen Augen wahnsinnig interessante Ansichten auf das Leben, auf Achtsamkeit, sowie auch auf das Thema „Perfektion“ vermittelt:

Osho war der Ansicht, dass die Welt ein wundervoller Ort sei, eben weil er so extrem „unperfekt“ ist. Denn ständig ist hier etwas zu tun! Ständig verändert die Welt sich. Ständig entwickeln sich Dinge weiter. Und das ist gut so! Wenn die Welt perfekt wäre, wäre sie tot. Mausetot! Entwicklung ist am Ende ja nur dort möglich, wo Perfektion fehlt. Perfektion setzt einen Endpunkt. Perfektion ist der ultimative Tod. Über den ultimativ perfekten Punkt hinaus gibt es nichts mehr zu erreichen. Daher empfiehlt Osho, sich immer an Folgendes zu erinnern:

Du bist nicht perfekt, ebenso wenig ist es der Kosmos. In dem Sinne ist es absolut wegweisend das „Unperfekte“ zu lieben und zu feiern.

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Sicher… ein gewisser innerer Drive sein Bestes geben zu wollen, das Bedürfnis am Ball zu bleiben, und daran zu arbeiten die beste Version seiner selbst zu werden, ist tatsächlich Bestandteil eines wichtigen menschlichen Grundbedürfnisses (=Selbstaktualisierung).

Jedoch verwende dies stets mit Obacht: Denn falls Perfektion dein ultimatives Ziel sein sollte, wirst du auf dem Weg zur Erlangung dieses Ziels höchstwahrscheinlich umkommen. Denn Perfektion ist am Ende ja doch nie zu erreichen. Und das ist gut so!

Stell dir vor, wie unerträglich langweilig das Leben ohne Tippfehler, ohne spontane Anwandlungen von Tollpatschigkeit oder ohne die Momente wäre, in denen man langsam aber sicher vom geplanten Weg abwandert. Um sich am Ende auf ungeahnten Wegen wiederzufinden, die einen vom ursprünglichen Ziel wegführen, oftmals weg von dem „perfekten“ Ziel, hin zu etwas Neuem, etwas Unbekanntem, etwas „Unperfektem“, möglicherweise jedoch genau perfekt für dich?

Ähnlich habe ich es mit diesem verirrten buddhistischen Zitat empfunden, das mir dank Zahlendreher auf’s Handy geschickt wurde, und mich mit einem Thema konfrontierte, das mich seit jeher nicht mehr losgelassen hat. Das mir viele, viele Momente bescherte, in denen ich mich bewusst gegen perfektionistische Mantras entschieden habe. Dies war nicht immer leicht. Oft ist es noch mit Hadern und Unsicherheit verbunden. Dennoch war die Begegnung mit der Achtsamkeit eine der wichtigsten Begebenheiten in meinem bisherigen Leben. Und die Reise von Perfektion in Richtung Achtsamkeit ist eine der aufregendsten Reisen, die ich mir vorstellen kann.

So weit so gut.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Bis demnächst,

Amy

Donald Trump – fleischgewordene Inspiration gegen hinderliche Selbstzweifel

Donald Trump ist neuer Präsident der USA. Die Erkenntnis ist nach wie vor nur schwer zu begreifen, inzwischen jedoch längst keine Neuigkeit mehr. Daher werde ich versuchen jene Aspekte zu überspringen, die in den sozialen Medien bereits noch und nöcher beleuchtet und benannt wurden: Es ist ein Schlag gegen das weibliche Geschlecht, gegen ethnische Minderheiten, gegen die sozial Benachteiligten, sowie auch gegen diverse humanitäre Ideen und Werte, die so manch einer von uns hegt und in sich kultiviert. Tragisch. Und irgendwie auch unfassbar!

Am Abend vor der Wahl noch sprach ich kurz mit meinem Freund und sagte mehr zu mir selbst als zu ihm: „Auf keinen Fall gewinnt der! Die Menschheit spielt ja manchmal verrückt… Aber in keinem Universum halte ich es für möglich, dass dermaßen viele Menschen verblendet genug sind, um diesen Soziopathen in eine solch machtvolle Position zu wählen!“ Wie weit daneben ich mit meiner hoffnungsvollen und relativ souveränen Annahme lag, muss ich nicht näher beleuchten.

Auf meinem verregneten Weg zur Arbeit, den ich gerne nutze, um mir über dies und jenes Gedanken zu machen, bevor ich in die Gedankenwelten anderer Menschen eintauche und für mehrere Stunden darin verschwinde, fragte ich mich wie es nur so weit kommen konnte. Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika! Verdammte Scheiße… Wie konnte es so weit kommen?

Als Psychologin und angehende Psychotherapeutin versuche ich von katastrophisierenden Bewertungen und Interpretationen à la „die Menschheit verroht doch nur, und die Dummheit wird auf kurz oder lang eben doch noch siegen“ Abstand zu nehmen. Zu vehement wurde mir der Zusammenhang zwischen negativen Gedanken und unangenehmen Gefühlen im Gedächtnis verankert. Zu oft frage ich Patienten, ob es ihnen denn hilft, ihren negativen Gedanken nachzugehen, wenn sie sich doch eigentlich besser und weniger deprimiert fühlen wollen. Zu oft habe ich gesehen und erfahren, dass eine überwiegend konstruktive Sicht auf die Dinge für ein halbwegs ausgeglichenes Gefühlsleben unerlässlich ist. Und ich persönlich bevorzuge es einfach, eine optimistische Sicht, komme was wolle, beizubehalten, anstatt mich den Verlockungen von melancholischem Weltschmerz hinzugeben.

Also stellte ich mir am Morgen nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl die folgende Frage: Welche Erklärung kann es für Trumps Wahlerfolg geben, die einen nicht mit dem Gefühl zurücklässt, dass unsere Welt mit ihren menschlichen Bewohnern am verdummen ist, und dass zwischenmenschliche Werte, zwar gut und schön, aber nicht so wirklich realistisch sind und somit zum Auslaufmodell werden?

Recht schnell bediente ich mich aus alter Gewohnheit der Psychologie um eine Antwort zu finden, die möglicherweise erklären kann, wie zum Teufel ein Mensch wie Donald Trump es geschafft hat, US-Präsident zu werden. Glaube ich daran, dass es sein aufbrausendes und soziopathisches Wesen ist, das die Mengen animiert hat, für ihn zu stimmen? Mag sein, doch ich denke da steckt noch mehr hinter. Und bei der Überlegung, welche weiteren Wesenszüge bei Donald Trump relativ prägnant ins Auge springen, fiel es mir auch schon wie Schuppen von den Augen:

Selbstbewusstsein!

Auf dem ersten Blick etwas banal… Aber die Idee, dass es etwas mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein von Mister Trump auf sich haben könnte, arbeitete in mir weiter: Donald Trump ist einer der selbstbewusstesten Menschen, die ich mir so vor Augen führen könnte. Und je länger ich darüber nachdachte, desto stimmiger fügte sich für mich das Bild:

Wenn Donald Trump als etwas charakterisiert werden kann, dann wohl als selbstbewusst, und zwar ohne Ende! Ein Bilderbuch-Narzisst! Oder auch eben sehr selbstbewusst… jedoch auf Basis von was?? Im Grunde genommen nicht viel… Der Mann hatte immer irgendwie mehr Kohle als der Otto-Normal-Verbraucher. Wie viel er selbst letztlich dafür getan hat, vermag ich nicht beurteilen. Aber abgesehen davon fiele mir bei diesem Mann kein nennenswertes Attribut ein, von dem ich glaube, dass es ihm zu dieser mächtigen Position oder zu einem solch aufgeblähten Selbstvertrauen verholfen hat. Ich würde mich vielleicht noch dazu hinreißen lassen anzunehmen, dass der Mann nicht gänzlich dumm und unintelligent ist. So hat er es geschafft entweder durch Intelligenz oder durch schieres Glück zu erahnen, was seine Wählerschaft von ihm hören möchte, um ihm seine Stimmen zu geben. Doch im Vordergrund in meinem persönlichen Erklärungsmodell über Trumps Wahlerfolg steht hauptsächlich sein immenser, unzerstörbarer, sich jeglicher Logik entbehrender Glaube an sich selbst.

Und auf etwas zynische und morbide Art hat mir dies an jenem grauen verregneten November Morgen eine zutiefst beruhigende Zuversicht gegeben: Wenn man nur stark genug an sich glaubt, kann man scheinbar ziemlich weit kommen. Auf ähnliche Ideen bin scheinbar nicht nur ich gekommen. Wenige Stunden später fiel mir bei Facebook neben den üblichen Schimpftiraden und zynischen Bildchen folgender Post auf:

„Donald Trump is a reminder that you should just apply for that job you want. Even if you don’t have the experience.“

Und so banal das klingen mag, als umso zutreffender empfinde ich es.

Ich nehme mal mich selbst als Beispiel: Seit ungefähr 4 Jahren schlage ich mich mit der Idee herum, die Dingen, die mich interessieren und bewegen, zusammenzuschreiben und online zu veröffentlichen. Ein erster zögerlicher Versuch fand vor zwei Jahren mit meinem ersten Blog statt. Und was ich seither beobachte ist, dass ich mir vor jedem Beitrag den Kopf darüber zerbreche, ob mein Geschriebenes überhaupt relevant, interessant, gut ausformuliert, spontan, authentisch, faktisch korrekt usw. ist. Anstrengend! Daher bislang relativ wenig Output… Viel zu viel Kopfkino!

In der Zeit, in der ich Tage, Wochen, Monate und Jahre über das nachgegrübelt habe, was und wie ich mich mit meinem Innenleben der Öffentlichkeit mitteile, hat ein in meinen Augen zutiefst soziopathisch veranlagter und relativ talentloser Mensch – plakativ gesprochen – die Weltherrschaft an sich gerissen. Und ich, die ja eigentlich nur über Achtsamkeit, Gefühle, Kreativität und sonstigen harmlosen Kram schreiben möchte, frage mich ständig, ob meine Worte adäquat und relevant sind.

Welch traurige, zeitgleich auch erhellende Erkenntnis:

Ich mit meinem unstillbaren Perfektionismus und dem Wunsch, nirgends anzuecken, verzettele mich ständig.

Übliches Laster eines sensiblen Menschen. Könnte Trump eher nicht passieren…

Naja, und seit geraumer Zeit setze ich mich tatsächlich mit genau jenem Phänomen auseinander, von dem ich glaube, dass es mich und einen Donald Trump auf fundamentalste Art voneinander unterscheidet: Sensibilität. Bei ihm ist sie wohl meiner Einschätzung nach unterdurchschnittlich stark (wenn überhaupt vorhanden oder messbar) ausgeprägt, bei mir ist dem Empfinden nach viel zu viel davon vorhanden.

Es ist also so, dass ich selbst, sowie auch ein Großteil anderer HSP (Abkürzung für hochsensible Person) eine zutiefst innewohnende Tendenz besitzen, Gefühle, die einen umgeben, aufzugreifen und irgendwie „mitzufühlen“. Was mich emotional umgibt, geht mir nah. Menschen, die mir begegnen, versuche ich schnell zu begreifen. Und selbst wenn ich dies nicht aktiv tue, habe ich manchmal das Gefühl, dass deren Emotionen auf mich irgendwie „überspringen“. In meinem Job als Therapeutin ist das meistens hilfreich. Doch selbst da kann es schwierig werden! Extrem unruhige Menschen, die verzweifelt sind, können für mich dadurch einen Moment lang wahnsinnig anstrengend sein. Ich spüre förmlich deren Leidensdruck, anstatt diesen nur zu beobachten. Ein Entkommen gibt es für mich so lange nicht, bis ich den Raum wieder verlasse.

Naja, und am Ende des Tages brauche ich dann genügend Zeit und Raum um wieder runterzukommen. Zudem versuche ich den vielen, vielen Eindrücken, die mir so begegnen, eine tiefere Bedeutung zu geben, sie einzuordnen usw. Ich versuche mich von dysfunktionalem Input, von schlechten Vibes abzugrenzen. Und mich dann mit den schönen Dingen des Lebens aufzuheitern. Diese kann ich dann umso mehr genießen. Naja, und nebenher stelle ich mir oftmals und immer wieder die Frage, wie ich all dem, was mir so im Alltag begegnet, was ich fühle und was mir durch den Kopf geht, Ausdruck verleihen kann.

Was zu einem ziemlich anstrengenden jedoch auch facettenreichen Alltag in meinem Leben als ziemlich emotionales Wesen führt.

Schreiben bietet sich als Ausdrucksform an. Bietet jedoch sehr viel Raum, um immer weiter zu hinterfragen wie ich denn das, was ich ausdrücken möchte, am besten formulieren kann. Und am Ende des Tages sitze ich ziemlich oft mit ziemlich vielen Ideen in meinem Kopf bei mir, und traue mich nicht so recht, diese zu Papier zu bringen, geschweige denn, diese in die Welt zu posaunen.

Anstrengend dieses sensible Dasein! Wenn es anderen sehr sensiblen Menschen ähnlich geht wie mir, nämlich, dass sie ihr Leben als komplex, anstrengend und an strenge moralische Standards geknüpft erleben, dann dürfte es einen am Ende nun wirklich nicht mehr wundern, dass es die Trumps sind, die ihren Weg schnell und zielstrebig zu dem finden, was sie ihr Ziel nennen.

Ich nehme an, dass ein sehr sensibler Mensch einfach die höhere Wahrscheinlichkeit besitzt, durch die ständigen emotionalen Reize, die auf ihn so herabregnen, ab und zu vom eigenen Weg abzukommen, und in der Zielerreichung deutlich verlangsamt zu werden.

Und genau an dieser Stelle empfinde ich Donald Trump als außergewöhnlich nützliche Inspiration für den ewig an sich selbst zweifelnden Hochsensiblen: Trump hat es geschafft, seine Ziele zu erreichen. Und das wurde für ihn enorm dadurch erleichtert, dass er biologisch betrachtet einfach nicht so anfällig für Sorgen, Ängste, überschäumende Emotionen und Gedanken um das Wohl der Menschen ist. Es ist pragmatisch gesprochen reine Biologie: wenn man von der Welt emotional nicht ganz so viel mitbekommt, besteht im Kopf bestenfalls mehr Ruhe und Raum für das, was einem selbst gerade wichtig ist. Wenn man nicht ganz so viel und ganz so tief fühlt, ist letztlich auch negatives Feedback von außen kein großes Drama! Man kann sagen, was man will, oder was einen eben weiterbringt. Dieses Phänomen nennt man dann Charisma. Der Mensch wirkt sicher und zielstrebig. Et voilà, fertig ist der neue US-Präsident, der zu 1000% davon überzeugt ist, alles wieder gut zu machen unter Verzicht von überflüssigen Gefühlsduseleien. Ob er überhaupt einen Plan hat? Und wie ein solcher dann aussehen wird, und was ein solcher für Opfer mit sich bringen mag? Belanglos…

Hauptsache der Mensch macht mal klare Ansagen!

Tja, und an diesem Punkt besitzt der Hochsensible selbsterklärend den biologischen Nachteil, da dieser dieses ganze „Hintergrundrauschen“ bestehend aus Gefühlen, Sorgen, Ansprüchen an sich selbst usw. nicht mal eben „ausschalten“ kann. Ein fehlender Masterplan? Leere Floskeln, um sich aufzubauschen? Eine hochsensible Vollkatastrophe!

Dennoch macht Trump mir Mut: Manchmal weniger planen, dafür umso mehr Zuversicht in den nicht vorhandenen Plan! Was vor allem bedeutet, seine Selbstzweifel schlichtweg weniger ernstzunehmen, oder sie zumindest mehr zu hinterfragen. Wenn man genügend an seinen eigenen Skills arbeitet, seine Zweifel somit eher als Hinweis auf das verwendet, was man noch optimieren möchte, und weniger als unüberwindbares Hindernis, kann man den Trumps da draußen in dem ein oder anderen Punkt sogar überlegen sein: Einfach weil man all das, was theoretisch gesehen alles schief laufen kann, mehr auf dem Schirm hat, und hierdurch auch durch geschicktes Planen besser verhindern kann.

Gewissenhaftigkeit nennt sich das, und wird der Spezies von Hochsensiblen durch psychologische Forscher als gemeinsame Eigenschaft nachgesagt.

Somit nehme ich mir fest vor, beim Gedanken an Donald Trump, an seine furchtbare Frisur und seine stumpfsinnige Art, mit der er nun selbstgefällig ins Oval Office Einzug nimmt, immer wieder zu mir selbst zu sagen: Wenn er das so durchzieht, dann gibt es verdammt nochmal nichts Handfestes, was mich von meinen Zielen abbringen kann.

In dem Sinne verdanke ich Donald Trump den letzten Anstoß, um nun endlich auch mal einen deutschsprachigen Blog auf den Weg zu bringen und diesen etwas langen inneren Monolog über ein ausgelutschtes Thema spontan niederzuschreiben.

Und ich freue mich auf die kommenden Momente, in denen ich meine Gedanke auf diesem Wege mitteilen werde.

Eure Amy.