Was ist Hochsensibilität? – 50 Fakten über Hochsensible Menschen.

Um eines der zentralen Themen näher zu beleuchten, welches hier auf meinem Blog immer wieder an- und besprochen wird, stelle ich heute 50 Fakten über das Phänomen der „Hochsensibilität“ vor.

Immer wieder werde ich gefragt, was es denn genau damit auf sich hat, wenn man hochsensibel ist. Heute versuche ich auf die Frage „Was ist Hochsensibilität?“ eine Antwort zu geben!

Als Quelle und Grundlage für die aufgelisteten Fakten beziehe ich mich auf Ergebnisse aus psychologischen Studien, auf Beobachtungen aus dem klinischen Alltag, und natürlich auf eigene Erfahrungen. Betrachtet meine Auflistung somit als eine grobe Einleitung in ein recht komplexes Thema, quasi als eine Art „Überblick“ – weniger als harte wissenschaftliche Fakten.

Es gilt zu beachten, dass nicht alle benannten Aspekte auf jeden Menschen zutreffen, der sich als hochsensibel bezeichnen würde. Auch kann es vorkommen, dass Dinge auf Menschen zutreffen, die sich selbst so gar nicht als sensibel einschätzen.

Lange Rede kurzer Sinn: Hochsensibilität ist kein Club, dem man entweder angehört oder nicht.

In jedem Fall kann man jedoch sagen, dass das Thema der „Hochsensibilität“ für all jene interessant und relevant sein kann, die sich an der ein oder anderen Stelle der Auflistung wiederfinden.

Los geht’s!

never-leave-a-girl-alone

Hochsensible….

  1. … fühlen meist ziemlich viel, ziemlich tief, häufig sogar „zu viel“.
  2. … sind sich ihrer Hochsensibilität oft nicht bewusst.
  3. … haben die Fähigkeit zu starker Empathie.
  4. … empfinden die vielen Gefühle und Eindrücke, die auf sie eindringen, manchmal als verwirrend.
  5. … haben oft ein sehr „buntes Innenleben“. Sie denken viel über sich, die Welt und sonstiges Zeug nach.
  6. … neigen zu einer ausgeprägten Gewissenhaftigkeit.
  7. … sind schneller störanfällig, neigen dadurch zu einer gewissen Launenhaftigkeit.
  8. … können nichts für ihre Sensibilität, da es scheinbar angeboren ist.
  9. … nehmen viele Reize aus der Umwelt bewusst und unbewusst wahr.
  10. … empfinden die Reizflut als anstrengend.
  11. … spüren z.B. auch Hunger-Gefühle auf sehr intensive Art und Weise, können daher schnell „hangry“ werden.
  12. … reagieren auch stärker auf schöne und ästhetische Reize: So wurde in einer Studie herausgefunden, dass das Gehirn von HSP auf niedliche Tierbilder stärker reagiert als bei Nicht-HSPs.
  13. … fühlen sich von Musik oder Kunst stark berührt.
  14. … neigen dazu Dinge schnell persönlich zu nehmen.
  15. … haben häufig hohe Standards an sich selbst und an andere.
  16. … neigen dazu zu grübeln.
  17. … versuchen oftmals ihre Gefühlsanwandlungen zu umgehen und zu vermeiden.
  18. … können durch extrem belastende Ereignisse eine Borderline-Störung entwickeln.
  19. … profitieren besonders stark von Achtsamkeit.
  20. … sind häufig schüchtern und introvertiert .
  21. … müssen jedoch nicht schüchtern und introvertiert sein, es gibt auch die etwas seltenere Variante des extrovertierten Hochsensiblen (ca. 30% aller Hochsensiblen).
  22. … bewegen sich, wenn sie extrovertiert sind, auf einem schmalen Grad des Wohlempfindens: entweder sie sind gelangweilt oder überfordert. Die goldene Mitte dazwischen zu erreichen scheint eine lebenslange Aufgabe zu sein.
  23. … brauchen regelmäßige Auszeiten, in denen sie Ruhe erfahren und den Reizen der Außenwelt entfliehen können.
  24. … empfinden lauten Lärm, Kälte und sonstige starke Reize als unangenehm.
  25. … wünschen sich oftmals nicht ganz so „dünnhäutig“ zu sein.
  26. … sind sich oft nicht dessen bewusst, dass ein Großteil der anderen Menschen nicht ganz so heftig fühlt wie sie.
  27. … geraten hier und da in Missverständnisse, da sie so anders fühlen.
  28. … müssen die Verantwortung für ihr Wohlbefinden bei sich selbst suchen – denn kein anderer kann einem HSP diesen komplizierten Job abnehmen.
  29. … sollten für Harmonie in ihrem Umfeld sorgen, damit sie selbst innerlich ausgeglichen sein können. Denn jedes Drama geht an die Nerven, eigentlich bei jedem Menschen. Bei dem Hochsensiblen jedoch umso mehr!
  30. … werden oft fälschlicherweise als „ängstlich“ und „neurotisch“ betrachtet.
  31. … können durch Therapeuten und Mediziner häufig nicht adäquat unterstützt werden, da die Hochsensibilität in der Ausbildung der heilenden Berufe bislang noch nicht angekommen ist. Wie soll etwas berücksichtigt und adäquat behandelt werden, was kaum bekannt ist?
  32. … empfinden es oft als befreiend sich ihrer Hochsensibilität bewusst zu werden. Plötzlich erklärt sich so einiges, was nun in einem etwas anderen Licht erscheint.
  33. … nehmen negative Vibes schnell und ziemlich ungefiltert war.
  34. … profitieren vor allem in früher Kindheit von einer stabilen Bindung zu den Eltern und einem unterstützenden häuslichen Hintergrund. Unsicherheit in der Kindheit kann zu einem gestörten Umgang mit den eigenen Gefühlen führen.
  35. … findet man mit einer Quote von etwa 20% bei den Menschen, kultur- und geschlechter-übergreifend (sogar auch im Tierreich!).
  36. … tun sich oftmals schwer auf andere zuzugehen. Sie werden daher oft als „gehemmt“ wahrgenommen.
  37. … empfinden ihr komplexes Gefühlsleben, trotz der Tiefen und Überreizungen, oft als etwas Besonderes.
  38. … werden durch negative Stimmungen anderer Menschen stark beeinträchtigt.
  39. … sind intuitive Menschen.
  40. … sind aufgrund ihrer Wahrnehmung von vielen Details gute Beobachter.
  41. … sind in ihrer Reizverarbeitung langsamer als Nicht-HSP.
  42. … können ihre Feinfühligkeit nicht mal eben „ausschalten“.
  43. … sind schmerzempfindlicher.
  44. … empfinden das Bedürfnis anderen helfen zu wollen. Zeitgleich scheint ihnen Harmonie ein wichtiges Bedürfnis zu sein.
  45. … wurden von der Psychologin Elaine Aron als solche benannt. Sie war die erste, die zu diesem Thema seriös und umfassend geforscht hat. Weitere Forschung ist noch notwendig um ein tieferes Verständnis für das Phänomen zu finden.
  46. … scheinen mehr zu fühlen und wahrzunehmen, da der Thalamus bei HSP scheinbar anders arbeitet als bei Menschen, die weniger sensibel sind. Der Thalamus ist eine zentrale Hirnstruktur, die mitunter einstuft wie wichtig und relevant ein sensorischer Reiz ist. Man kann sich somit vorstellen, dass der Thalamus bei den Hochsensiblen wesentlich mehr Reize als relevant bewertet. Auch der Hypothalamus, der unser vegetatives Nervensystem reguliert, scheint bei der Hochsensibilität mitbeteiligt zu sein.
  47. … nehmen Reiz- und Gefühlsüberflutungen oftmals auch auf körperlicher Ebene wahr. Hier kommt wohl der Hypothalamus ins Spiel: dieser steuert die Freisetzung von Stresshormonen (Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin). Scheinbar schütten Hochsensible mehr Stresshormone aus.
  48. … sind aufgrund ihrer Hochsensibilität nicht als krank einzustufen. Hochsensibilität ist eine Art der Beschaffenheit des Nervensystems und gewisser Hirnstrukturen. Ein unachtsamer Umgang mit der eigenen Emotionalität kann jedoch eine Kette an Problemen nach sich ziehen, und kann krank machen – muss es jedoch nicht.
  49. … haben ihre Hochsensibilität vermutlich von ihren Eltern oder anderen Vorfahren geerbt.
  50. … haben zwar die Fähigkeit zur Empathie, können jedoch gerade dann, wenn sie selbst und andere Menschen ihre Hochsensibilität nicht gut verstehen, in Konflikte geraten und alles andere als empathisch oder sensibel erscheinen.

So das war es vorerst. Es gibt noch vieles mehr zu dem Thema zu sagen und zu schreiben. Wie sagt man so schön? To be continued…

Ich hoffe , dass die Auflistung erst einmal einen guten Überblick geben konnte.

Wer sich in das Thema weiter einlesen möchte, dem empfehle ich das Standard-Werk von der Psychologin und Pionieren auf dem Gebiet: Elaine Aron („Sind Sie hochsensibel?“). Einen frei zugänglichen, wissenschaftlich validierten Test von ihr gibt es hier.

Bis demnächst,

eure Amy!

Advertisements

2 Kommentare zu „Was ist Hochsensibilität? – 50 Fakten über Hochsensible Menschen.“

  1. Hallo, habe gerade deinen Blog gefunden und fand sofort dieses Thema!

    Ich finde es wirklich toll, dass du über dieses Thema schreibst und damit informierst. Es gibt in diesem Bezug so viele Missverständnis (wie eigentlich bei allem, was von der Norm abweicht).
    Leider denken viele bei diesem Thema „das sind Heulsusen“, was ich echt furchtbar finde.

    Lieben Gruß und vielen Dank für diesen tollen Beitrag!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s